Cockenzie and Port Seton — Edinburgh

Beim Frühstück lerne ich John und seine Frau kennen, die auch in Newcastle gestartet, allerdings mit dem Fahrrad unterwegs sind. Das ebene Terrain hier eignet sich auch wirklich super zum Radeln. Schon gestern sind mir die vielen Radsportler aufgefallen, die das in dieser Gegend gut ausgebaute National Cycle Network nutzen.

Ich bin auch heute wieder so beeindruckt vom Frühstück, dass ich es nicht unfotografiert lassen kann.

Vom B&B bin ich schnell wieder auf dem John Muir Way, der zunächst weiter an der Küste des Firth of Forth entlang führt, in Prestonpans, dem nächsten Ort, allerdings eine Zickzacklinie durch Seitengassen und Hinterhöfe nimmt.

An der Zufahrt eines Strandparkplatzes ist ein Tor – vermutlich um Wohnmobile auszusperren – mit der Aufschrift Max Headroom 1.90 m. Erst muss ich an diesen ersten virtuellen Charakter der 80er denken, der auf Channel 4 Musikvideos ankündigte und später, glaube ich, auch eine eigene Fernsehserie hatte. Dann denke ich, dass Max Headroom auch ein guter Alternativtitel für das Buch wäre, das ich gerade lese: Set this house in order von Matt Ruff.

Und heute habe ich Lust zu lesen. Ein Kapitel lese ich auf einer Bank mit Aussicht über die Bucht, bevor ich den Strand verlasse, um in Musselburgh, einem Vorort Edinburghs, ins Stadtgebiet abzubiegen. Schottlands Hauptstadt ist ganz schön groß und so dauert es eine knappe Stunde bis ich durch den Stadtteil Portobello in den Holyrood Park, Edinburghs größte von zahlreichen Grünflächen, nahe der Innenstadt vorstoße. Eigentlich mitten in der Stadt sieht es hier dank einem richtigen Berg – Arthur’s Seat – dennoch nach einem kleinen Stück Highlands aus und ich lege mich auf eine Wiese, lese noch ein Kapitel und döse in der Sonne.

Ich merke, dass ich heute ein deutliches Energietief habe. Heute Morgen dachte ich noch, wie überflüssig der geplante Rasttag in Edinburgh ist und dass ich mir am besten einen kleinen Berg zum Besteigen in der Umgebung suche, aber jetzt klingt ein Tag ohne Laufen gerade sehr verlockend. In der Jugendherberge bemerke ich auch, dass ich mir am linken Fuß eine Blase gelaufen habe. Komisch. Gleiche Schuhe, gleiche Socken, eher mehr als weniger Pausen als die Tage zuvor, aber da ist sie. Glücklicherweise hab ich Utensilien zum Verarzten dabei.

Ich gehe ein wenig durch die Stadt, lasse mich treiben, ohne in irgendwelche Geschäfte zu gehen, sitze auf einem Liegestuhl in den Princes Street Gardens und lese. Puh, heute ist die Luft echt raus. Kann mir gerade gut vorstellen, mich morgen einfach in ein Café zu setzen und dem Körper, den ich gestern so gelobt habe, Regeneration zu ermöglichen.

19,5 km, 159 Höhenmeter (Wo bloß? – Das muss Holyrood gewesen sein.), 5,5 km/h

Eine Antwort auf „Cockenzie and Port Seton — Edinburgh“

  1. Lieber Jens,
    …wie immer macht es echt Spaß, deine Blogeinträge zu lesen, an die kulinarischen Wunder Schottlands erinnert zu werden, das Meer mit dir zu riechen, die Kälte des Wassers und sogar deine erste Blase zu spüren…
    …auf dass es die letzte gewesen sein möge – oder du alle weiteren einfach platt wandern mögest!
    Liebe Grüße aus Heidelberg…

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