Fort William / Ben Nevis

Heute ist Pausentag. Aber nicht weit von Fort William ist eben auch Ben Nevis, mit 1345 Metern der höchste Berg Schottlands und Großbritanniens. Und wie schon George Mallory so schön über den Mount Everest gesagt hat, als er gefragt wurde, warum er da hoch wolle: „Because it’s there.“

Habe mir den Wecker auf 5 Uhr gestellt, gestern Abend schon alles zusammengepackt und so komme ich kurz nach halb sechs beim Ben Nevis Visitor Centre an, von wo die Route zum Gipfel startet. Die stundenaktuelle Wettervorhersage gibt mir Zeit bis etwa 9 Uhr, dann ist da oben nur noch Nebel. In der Info-Broschüre steht was von 4 Stunden hoch und 3 runter, aber das kann nicht stimmen oder ist für Touristen oder die Menschen, für die auch Portionsangaben auf Fertiggerichten zutreffen.

Ich bin ganz allein hier oben. Erst auf etwa halber Strecke, auf einem Hochplateau mit Bergsee, wo heute Nacht sogar jemand gezeltet hat, treffe ich beim ersten Schneefeld auf einen Jogger, der mir von oben entgegen kommt. Der Rekord für Auf- und Abstieg liegt bei 1,5 Stunden, hab ich irgendwo gelesen.

Dann wird‘s langsam richtig anstrengend. Je höher ich komme, desto kälter und windiger wird es. Ich habe noch eine Weile gute Aussicht, dann wird‘s irgendwann wolkig. Auf dem letzten Stück sind alle 50 Meter Cairns aufgestellt, die den Berlauf des Weges auf dem mit Schnee versetzten Geröllfeld markieren sollen. Leider ist die Sichtweite auf den letzten hundert Höhenmetern deutlich darunter, sodass ich heilfroh bin, das GPS-Gerät mitgenommen zu haben, denn auf der Karten waren etwa 20 Meter rechts und links des Weges Schluchten und Abbruchkanten verzeichnet, die ich bei diesen Witterungsbedingungen ungern näher kennenlernen möchte.

Nach einem letzten kräftezehrenden Marsch durch den recht tiefen Schnee auf der Gipfelebene, erreiche ich die Ruinen der ehemaligen Wetterstation, die hier Ende des 19. Jahrhunderts eingerichtet war. Natürlich ist auch der obligatorische Gipfelstein hier und eine Biwakhütte, die Platz für vier Bergsteiger bietet, wenn sie sich zusammenkuscheln. Bis hier oben habe ich zweieinhalb Stunden gebraucht, der Rückweg klappt in anderthalb, denn (Wer hätte das gedacht?) es macht total Spaß, durch den Schnee nach unten zu rennen und dann von Stein zu Stein abwärts zu springen. An vielen Stellen, gerade den steilen, geht das erstaunlich gut.Beim Abstieg werde ich dann noch einmal mit schönen Ausblicken über die Täler umher belohnt. Und ich bin froh, so früh aufgebrochen zu sein und den Weg ganz für mich gehabt zu haben, denn jetzt kommen mir viele Wanderer entgegen, auch ein paar Verrückte in Turnschuhen und Schirm statt Jacke. Na viel Spaß, enjoy!

Nachmittags treffe ich Anne, die schon ein paar Wochen in England ist. Ab morgen wandern wir dann den Great Glen Way bis Inverness.

25 km – 1467 Hm – 4,4 km/h

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