Doll — Helmsdale

Beim Frühstück im Zelteingang gucke ich einem Fischkutter zu, der seine Fangkörbe auswirft, was für die Möwen hier – den Begeisterungsschreien nach zu urteilen – das ganz große Ding ist und ordentlich gefeiert wird. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob im Wasser nicht auch die Köpfe einiger Robben zu sehen sind, aber das könnten auch große Vögel sein, die immer mal nach Fischen tauchen.

Als ich dann auf dem Weg bin, der zuerst am Feldrand oberhalb des Strandes entlang führt, sehe ich dann doch noch eine Robbe. Keine 15 Meter von mir liegt eine auf den Steinen am Wasser und sonnt sich. Ich sehe sie erst, als sie mich gesehen hat und ihren wurstigen, grau-braun gefleckt Körper ins Wasser … robbt. Und jetzt gibt es keinen Zweifel: in unmittelbarer Nähe zum Ufer tummeln sich noch drei oder vier andere, die ihre Köpfe aus dem Wasser und die Schnauzen in die Sonne halten. Das ist auf jeden Fall heute meine Begegnung des Tages. Ich freue mich total darüber, eine Robbe so nah in freier Wildbahn gesehen zu haben. Hier haben die sonst vermutlich immer ihre Ruhe – es gibt keine Straße in der Nähe und der richtig badetaugliche Sandstrand fängt erst bei Brora an.

Und da laufe ich jetzt hin. Kurz vor dem Ort komme ich in den Dünen an einer kleinen Militärstation vorbei, wo im 2. Weltkrieg Funksignale zwischen Deutschland und Frankreich abgefangen wurden. Der Hafen und die Stadt sind still. Es ist ja auch Sonntag Vormittag. Wenig später sehe ich, dass die Älteren alle auf dem Golfplatz und die Jüngeren am Strand sind. Und die Kühe sind auf dem Golfplatz und am Strand – das hab ich auch noch nicht gesehen.

Dann kommen 15 anstrengende Kilometer Sandstrand. Gar nicht so angenehm zu laufen. Und an Kilometerschrubben ist da schon mal gar nicht zu denken. Also das Hier und Jetzt genießen … oder Zähne zusammenbeißen und laufen.

Endlich führt der Weg in die Dünen, wo ich erst auf einen Wohnwagenfriedhof und dann einen Campingplatz stoße, um mich wenig später wieder am Strand zu finden, wo es weiter geht. Ich mag die Streckenabschnitte nicht im Einzelnen beschreiben. Jedenfalls gibt es durchgängig keinen Weg und das macht die Strecke heute so zäh. Man kommt einfach nur langsam voran und das liegt nicht nur an den Bächen, die man watend oder springend überqueren muss oder den felsigen Strandabschnitten oder am Sand, in dem die Füße versinken. Immerhin gibt es in dieser Weglosigkeit ordentliche Bahnübergänge.

Ab Portgower gibt es dann wieder ordentliche Feldwege und Schafweiden, auf denen man laufen kann, und so vergehen die letzten Kilometer fast wie im Flug. Helmsdale hat historisch einiges zu bieten, aber mit steht der Sinn mehr nach Tee und Essen und einer Dusche. Dann setze ich mich in den Innenhof der Bannockburn Inn und warte aufs Abendessen – Lammschulter mit Minzsoße, Kartoffelbrei und Gemüse.

Unf weil mich heute mal wieder der hiker’s hunger packt, hole ich mir gegen 9 noch Chips und Onion Rings an einer Bude am Ende der Straße. Weil ich der letzte Kunde bin, packen die mir zwei große Kisten voll, und ich esse alles auf, obwohl mir ab der Hälfte schlecht ist. Egal. Kalorien sind Kalorien. Die kann mir keiner mehr nehmen.

☀ – 26 km – 431 Hm – 4,7 km/h

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