Cairngorms

Wenn man sich so daran gewöhnt hat, jeden Tag zu laufen und in der Natur zu sein, reicht ein Tag in Inverness rumhängen, um wieder kribbelige Füße und Lust auf frische Luft zu bekommen. Ich hab das Zelt getrocknet, war im Kino (Kurzkritik zu Solo: Muss man nicht gesehen haben.) und bin durch die Stadt gebummelt. Jetzt will ich wieder raus.

Also habe ich beschlossen, die letzten zwei Tage in den Cairngorms, einem Nationalpark in den Highlands südöstlich von Inverness, zu verbringen, wo es jede Menge Berge, kleine Lochs und Abgeschiedenheit gibt.

Für lange Touren ist keine Zeit und ich kann ohne Computer auch keine GPS-Tracks auf mein Navi laden, sodass ich überschaubare, am besten einigermaßen gut markierte Wege brauche, die ich in der Nähe von Aviemore finde. Die Busfahrt dauert nicht lang (45 Minuten bzw. – wenn man wie ich fährt – zwei Stunden) und dann stehe ich mitten im Pinienwald (der letzte indigene Bestand von Scots Pines im Land) von Glen More. Nicht weit ist der Sandstrand von Loch Morlich und so beginne ich den Nachmittag mit einer Umrundung des Sees.

Die zweite Mini-Tour führt mich weiter ins Hochland. Hier habe ich eine Bothy gefunden, in der ich zu übernachten gedenke.

Der Pfad ist an kritischen Stellen deutlich gekennzeichnet und schön zu laufen. Größtenteils geht es durch den Wald mit schönen Ausblicken auf die zahlreichen Munros, die es hier zu sammeln gibt.

Eine schöne Überraschung ist An Lochan Uaine, ein kleines, in der Sonne türkis leuchtendes Loch. Hier führen Steinstufen zum Strand und man kann die heißgelaufenen Füße kühlen.

Und dann bin ich auch bald schon bei Ryvoan Bothy angelangt. Außer mir ist noch ein Mountainbiker aus der Gegend von Aviemore hier. Weil es noch nicht spät ist und ich den Rucksack in der Hütte lassen kann, erklimme ich noch einen der Berge, na ja mit 685 Metern Höhe eher Hügel, in der Nähe und werde mit einem prächtigen Rundblick auf die umliegenden Erhebungen und hinab ins Tal, von wo ich gekommen bin, belohnt.

Erst als ich wieder bei der Hütte bin, merke ich, wie ruhig es ist. Hier hört man außer vereinzelten Vögeln wirklich gar nichts. Keine Straße in der Nähe, keine Menschen, kein Meeresrauschen – einfach Stille.

In der Bothy gibt es außer einer Schlafplattform aus Holz und dem von Barry McGhee gesponsorten Bollerofen (siehe Plakette) noch ein paar zusammengewürfelte Stühle und einen kleinen Tisch, an dem Ian (der Mountainbiker) und ich Tee trinken (Ich hab Kekse, Teebeutel und heißes Wasser, er hat Milch) und Abendessen (jeder hat sein eigenes Essen, aber Ian spendiert den Laphroaig hinterher).

Am nächsten Morgen verabschieden wir uns und ich laufe zurück nach Aviemore, von wo ich mittags den schnellen Bus nach Inverness zurück nehme.

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