Rennsteig in 5 Tagen – Tag 4

10.07.2020 Masserberg – Waidmannsheil

Strecke laut Navi: 44,2 km / 720 Höhenmeter

Nach dem Frühstück laufe ich heute vergleichsweise spät los. Das Wetter ist bestens und es geht durch sonnendruchfluteten Mischwald. Alle 100 Meter sehe ich mehr oder minder verwitterte Grenzsteine aus dem späten 16. bis 18. Jahrhundert, wohl weil hier im Gebiet zwischen Thüringen und Bayern besonderer Bedarf bestand, die Grenzlinie zu markieren.

Neuhaus am Rennweg ist mein Mittgasziel für heute und der größte Ort am gesamten Weg. Im Lidl kaufe ich einen Salat und andere Leckereien und so kann ich am Ortsausgang auf einer Sitzgruppe ein kleines Mittagsfest zelebrieren. Starker Wind kommt auf, doch ist das bei diesem sonnigen Wetter beim Laufen recht angenehm. Ich komme an einem Steinbruch vorbei, in dem im 19. Jahrhundert Schiefer für Griffel abgebaut wurde, und als ich Spechtsbrunn erreiche, erfahre ich, dass die Griffelindustrie hier eins große Wichtigkeit besaß.

Etwas weiter treffe ich erneut auf den ehemaligen Verlauf der innerdeutschen Grenze.

Hier ist eine Alternativroute ausgeschildert, die nicht die nächsten Kilometer direkt an der Bundesstraße entlangführt wie der Originalrennsteig. No-brainer: Für diese Waldroute entscheide ich mich.

Hier gibt es zur Zerstreuung des geneigten Wanderers einen „Dichterwald“: Auf den nächsten Kilometern werden kurz deutsche Dichter anhand eines Bildes samt kurzem Text zu Leben und Werk vorgestellt.

Ziemlich erschöpft komme ich nach über 40 Kilometern bei der Schutzhütte „Waidmannsheil“ an, nur um festzustellen, dass diese bereits von einem Mann besetzt ist, mit dem ich das Nachtlager nicht teilen möchte, da dieser eine erstaunliche Batterie alkoholischer Getränke bzw. deren inzwischen leeren Behältnisse um sich arrangiert hat. Vielleicht ist es auch nur eine besonders wirksame Installation, um Hüttenmitschläfer zu vergraulen – wenn dem so ist, verfehlt sie ihre Wirkung mir gegenüber jedenfalls nicht.

Glücklicherweise finde ich wenig später ein lauschiges Plätzchen tief im Wald, wo ich die letzte Nacht dieser Rennsteig-Wanderung verbringe.

Waldrundumsicht

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